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Märkische Allgemeine/Potsdamer Stadtkurier - Kultur 23.November 2006

Potsdamer Stadtkurier 23. November 2006

 

Tagesspiegel online ----- Potsdam Kultur ----- 25.11.2006
Fische, Köpfe und viele Farben

Traditionell am Ende des Jahres: Kleine Formate in der SperlGalerie

Nun kommt sie wieder, die stille dunkle Zeit. Wer schon vor dem Weihnachtsrummel etwas Lebendigkeit in seine Wohnung bringen möchte, die sich eben nicht als Jingle-Gebelle oder Weihnachtsmann mit Rauschebart artikuliert, der gehe in die Mittelstraße. Dort gibt es in der SperlGalerie ziemlich viel, ziemlich feine, ziemlich kleine Kunst. Einiges sogar zu ziemlich moderatem Preis, wie die „Charakterköpfe“ der Wiesbadenerin G.E. Bringfriede Jost. Entgegen ihrem Vornamen bringt sie keinen Frieden, sondern Ironie in der Gestaltung der auf einem Stab befestigten Köpfe aus schamottiertem Ton, die Falten ihrer „mentalen Nutzlinge“ hat sie deutlich markiert. Die Köpfe sind etwas in die Länge gezogen und wackeln auch mal hin und her, wahrscheinlich, weil sie sich über ihre Umgebung wundern.

Malte Brekenfeld wandert da in tief mythischen Gegenden mit seiner „Ophelia“, die „sicher im Bauch des Behemot“ gelandet ist, dabei fragt man sich, wie sie an den scharfen Zähnen des gefräßigen Fisches vorbei gekommen sein mag. Unversehrt liegt sie da mit ihrem getupften Rock. Vielleicht, weil auf ihrem dunkelroten Top ein Kreuz prangt, das sie schützt? Bestimmt gibt es in diesem Jahr an Weihnachten Fisch, die Galerie sorgt schon mal für den rechten Esszimmerschmuck: Neben Brekenfeld hat sich auch Astrid Germo dem Flossentier verschrieben. So lässt sie eine tote Makrele im roten Meer schwimmen und hat weitere Einzelfische hinter Glas gebannt. Der hier noch unbekannte Nigel Henri von den Seychellen macht uns auf zwei schmalen Langformaten mit der grüngelb wuseligen Unterwasserlandschaft des Indischen Ozeans bekannt. Sogartig wirkt die abnehmende Helligkeit, die droht, den Betrachter in die Tiefe des Meeres zu ziehen. In anderen Gewässern schwimmt der kleine Mann im Streifenanzug, der sich bei der Collage des jungen Franzosen Eric Giriat „zu mutterlich“ im Unterleib der Schwangeren befindet. Die Dame aber schaut verliebt auf ihren dicken Bauch und bemerkt die Nöte des Männleins nicht. Ebenfalls jung ist Julius Ruge, der in seiner Pastell-Bleistiftzeichung „Porträt eines Beamten“ dem Abgebildeten ein gar schrecklich aufgerissenes Auge verleiht und zum genaueren Hinsehen einlädt. Christina Pohl sieht man bei Sperls auch zum ersten Mal. Ihre Stilleben zeichnen sich bewegt gemustertem Tischtücher aus. Die Mischung aus in Potsdam bekannten und weniger bekannten Künstlern macht den Rundgang interessant. Da hängen traurige Köpfe von Hans Scheuerecker mit Titeln wie „Dieses Mal mehr Melancholie“, doch die Stimmung hellt sich bei Wolf Dieter Pfennigs Zeichnungen gleich wieder auf. Da stehen die Spaßgestalten Rainer Sperls und machen ihre Witze, während Rainer Fürstenbergs „Steter Tropfen“ aus Edelstahl so spitz endet, dass er wirklich jeden Stein höhlen kann. Das ist ein neuer, glatter und glänzender Fürstenberg, also bringen uns auch die Wohlbekannten immer wieder mit neuen Aspekten ihrer künstlerischen Persönlichkeit zusammen. Viel erzählt Susanne Haun in ihren „Tagebucheintragungen“, wo die Tusche unversehens von der Schrift zur Zeichnung übergeht und meist Paarformationen zeigt – worüber soll man denn sonst im Journal intime schreiben als über die Liebe?

Und um Liebe geht es ja bei dem Fest, auf das wir uns alle vorbereiten und innerlich wappnen, vielleicht begleitet von einem zart-heiter-ironischen Harry Mohr? Vielleicht aber nehmen wir uns die „Experten“ von Dieter Zimmermann als Ratgeber. Die wirken allerdings alle so jämmerlich und in ihrer Reihung absurd überhöht, dass sie wieder liebenswert erscheinen. Noch nicht einmal gerade können sie in ihrer Reihe hängen, etwas geht irgendwie immer schief. Hoffentlich nicht bei dem Fest, auf dessen Gelingen die Galerie schon fleißig hin arbeitet.

Lore Bardens                                    Bis 23. Dezember, Mi bis So 12- 18 Uhr, Mittelstraße 31


 

 

 

Die Welt.de online 15. Dezember 2006

Die Welt.de 15. Dezember 2006 online